FOTOGRAFISCHER REISEBERICHT IM KINO UM DIE ECKE, BELP - ERFOLGREICHE ERSTE SERIE
In meinen Ausbildungsjahren zum Fotografen lernten wir, präzise und technisch fehlerfrei zu arbeiten. Vignettierung war einer dieser häufigen Fehler, der so schnell geschieht, mit Filter, Balgen, Abdeck-Panel, Sonnenblende, oder eben mit dem zu kleinen Bildkreis, vor allem beim Verschieben der Standarten bei der Fachkamera. Wie der Finger vor der Handy-Kamera. Technisch fehlerfrei fotografieren hiess (und heisst immer noch) trainieren, unerlässlich Bilder in etlichen Situationen zu belichten.
Das Objektiv sieht nicht das ganze Bild
Müsste ein Kind das Wort «Bildkreis» zeichnen, es würde mit zwei schlichten Formen sehr nahe an die Bedeutung des Begriffes herankommen, der für die Fotografie ein wesentlicher Teil darstellt. Ein Objektiv bildet einen Kreis-runden Bereich ab, der «filmseitig» auf einem Träger festgehalten wird. Der rechteckige Träger des Bildes – ein Negativ, ein Dia, oder ein Sensor - muss in diesen Kreis passen, ansonsten als Erstes die Ecken schlechter oder nicht belichtet werden. Das heisst in der Fachsprache «vignettiert». Geschichten hinter Vignetten
In meinen Ausbildungsjahren zum Fotografen lernten wir, präzise und technisch fehlerfrei zu arbeiten. Scharf. "Im Wasser". Perfekte Belichtung. Und dann studiert man in der Ausbildung Fotografen, die es genau nicht so machen. Vor allem einer, der das alte Paris mit 20 kg Equipment auf rund 10'000 Glasplatten im 18x24-Format bannte. Eugène Atget. Er besass keinen übermässigen Anspruch auf Perfektion. Seine Bilder waren oft vignettiert. Aber Atget sah mehr, komponierte Bilder, kreierte Geschichten und erfasste Situationen weit ausserhalb des Rahmens, den ein Bild absteckte. Dunkle Ecken störten ihn nicht. |
Notre-Dame depuis le quai de la Tournelle.
Eugène Atget, 1923 Eugène Atget and Pierre Mac-Orlan. Atget: Photographe de Paris (Atget: The Paris photographer). New York: E. Weythe, 1930.
Mehr über Atget: International Center of Photography
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Angriff der Unschärfe
Ganz nach dem Motto «Ich sehe etwas, und doch sehe ich es nicht» arbeitete auch der Perfektionist Hiroshi Sugimoto in einer Serie von Architektur-Aufnahmen zwischen 1997 und 2002. Ebenfalls mit einer 8x10-inch Grossformat-Kamera unterwegs richtete er sich sein schweres Gerät präzise ein, und kurz vor dem Auslösen stellte er sein teures Equipment auf unscharf. Nicht leicht unscharf und «knapp daneben». Sondern wirklich richtig deftig unscharf. Doppelte Unendlichkeit! Ich war ein zweites Mal irritiert, dass gerade er, ein Perfektionist, dies absichtlich vornahm. Mit der Unschärfe erkannte er u.a., dass die Architektur der Superlative aus New York «auch einen Angriff verschwommener Fotografie» überlebt. Nur die wesentlichen Elemente blieben erkennbar. Hiroshi Sugimoto: Seascapes. By Hiroshi Sugimoto
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